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Mittwoch, 26. April 2017

Ist das noch zeitgemäss?

Alltäglich werden wir durch die Vielzahl der Medien über neue Erkenntnisse, Studien und Forschungsergebnisse informiert. Dabei frage ich mich oft, ob wir durch die Flut der Informationen nicht ganz oft, ganz wesentliches vollkommen aus dem Blick verlieren, bzw. gar nicht erst wahr nehmen.....
- oder auch: welche Konsequenzen ergeben sich aufgrund der gewonnen Erkenntnisse? Kann uns diese Informationsflut überhaupt noch dienen?

Junge  Eltern, die sich heutzutage bemühen, ihre Kinder zeitgemäß zu begleiten, werden von sich widersprechenden Informationen oder Erkenntnissen mehr verunsichert als dass die jeweiligen Ratgeber wirklich nutzen. Soweit nichts neues, denn im Grunde dreht sich das Rad ja immer wieder von vorne: alle Eltern - zu jeder Zeit - mussten sich mit den Unsicherheiten der Neu-Elternschaft auseinander setzen und ihren Weg finden. Geändert hat sich die immer größer werdende und immer schneller auf uns einprasselnde Informations- und Datenflut. Dabei gerät Wesentliches immer mehr aus dem Fokus. 

Heute frage ich mich immer häufiger: "ist das noch zeitgemäß?"

Einerseits  "fördern" wir die Entwicklung unserer Kinder durch alters- und hirngerechte Sprach- und Bewegungsangebote, bemühen uns durch vom Kind gesteuerte Signale angemessen zu ernähren uvm. Wir bemühen uns intensiv, die jeweiligen Signale der Kinder wahrzunehmen, richtig zu deuten und entsprechend zu beantworten. 

Gleichzeitig erlebe ich eine zunehmende Flut an diversen Kursangeboten mit Inhalten und Vorgehensweisen, die bei mir o.g. Frage auslöst.

Brauchen wir Kurse, in denen unsere Kinder vorgegebene Spiele spielen? 
Glauben wir wirklich, dass ein Baby sich nur dann sozialkompetent entwickelt, wenn es sich mit anderen Babies im Raum aufhält? 
Ist ein Kurs, wo ein fremd vorgegebenes Programm durchgezogen wird, tatsächlich an unserem Kind  und dessen Bedürfnissen orientiert?

Ist es noch zeitgemäß, wenn immer nur vorgefertigtes konsumiert wird? Geht es nicht viel eher darum, den Kindern eine anregende Umgebung zu schaffen und ihnen zu ermöglichen, ihre eigenen Erkenntnisse zu gewinnen. Längst wissen wir, dass wir nur lernen, was wir selbst erfahren. Dass Kinder - von Geburt an - Räume benötigen, in denen sie selbst gestalten können, dass Vernetzung nur stattfindet, wo probiert, experimentiert und geübt wird.

Welcher Sinn liegt also in einem Babyschwimmkurs, in dem die ganze Stunde durchorganisiert Lieder abgesungen und die Kinder dabei hin und her bewegt werden? Ist das noch zeitgemäß? Ich habe neulich mal wieder bei einem solchen Kurs zuschauen können. Kein einziges Kind hat in dieser Stunde eine einzige Sache gemacht, die es selbst vielleicht machen wollte oder eine eigene, selbst gesteuerte Erfahrung über das Wasser und sein im Wasser sein gemacht. Mütter & Kinder wurden nur entertaint, von A nach B geschleust und es wurde gesungen. Es gibt viele solcher Kurse - im Wasser wie an Land. Wem dient sowas?

Ich würde mir viel eher Kurse für Mütter (und Väter) wünschen, die diese ganz persönlich dabei unterstützen, wieder mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse und Bauchgefühle zu hören und diese wichtig zu nehmen, damit sie Stärkung für ihren eigenen Weg in der Begleitung ihrer Kinder erfahren. Weniger Information - mehr Eigenes erfahren. 
Und natürlich auch Kurserfahrungen für Kinder, wo Diese tatsächlich etwas erfahren können - etwas, was an ihnen und ihrem Interesse orientiert ist und wo sie mitgestalten dürfen. 

Kinder müssen nicht zur Kompetenz erzogen werden - Kinder sind bereits kompetent. Dies müssen sie erleben dürfen! 



Mittwoch, 14. Dezember 2016

Starke Kinder?

Immer wieder ist es ja überall zu lesen. Kinder werden nur stark, wenn man sie lässt. Die damit verbundene Botschaft ist so einfach wie klar. lass dein Kind doch einfach mal selbst machen.

So einfach ist das aber gar nicht, wie ich immer wieder feststelle. Eltern, die ihre Kinder vor allem behüten und zu bewahren versuchen, nennt man nicht mehr fürsorglich, sondern Helikoptereltern, die ihre Kinder vor dem Leben mit seinen vielfältigen Erfahrungen fern halten. Ich mag solche Begriffe nicht. Sie schaffen Ausgrenzung und bewerten unnötiger Weise. Eltern, die sich so verhalten, handeln aus der fürsorglichen Absicht heraus, ihre Kinder zu schützen. Mit Abstand betrachtet, könnte man es als fehl geleiteten Instinkten erklären.
In einem kleinen Tiervideo einer Eisbärmama (im Zoo!) wird gezeigt, wie Diese ihrem kleinen Eisbärkind bei seinem Tun hilft - sie stützt es genauso lange, bis das Kind alleine heraus zu klettern schafft. Sie gibt ihm keine guten Ratschläge, wie es nun am besten klettern soll oder ob es überhaupt sinnvoll ist, jetzt rauszukletter...sie steht nur da und unterstützt, solange ihre Hilfe erforderlich ist. In dem Moment lässt sie es los, dreht sich um und geht weg. Das Eisbärenkind wird in seiner Kompetenz nicht in Frage gestellt. Genau solche Erfahrungen brauchen unsere Menschenkinder auch: eine liebevolle Begleitung, Unterstützung im Sinne Maria Montessoris: "Hilf mir, es selbst  zu tun!". Die Hand, die beim Klettern stützt. Sie schiebt nicht, gibt keine guten Tipps und mischt sich nicht mit ihrem eigenen Willen ein - sie ist einfach da und stützt...lässt das Kind selbst machen. Sobald klar ist, dass das Kind es schafft, zieht sie sich zurück und zeigt ihrem Kind: ich weiß, dass du es schaffst. Du brauchst mich jetzt nicht mehr. Genau das richtige Signal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Die Eisbärmama bewahrt ihr Kind also nicht vor Erfahrungen, sondern sie begleitet sie - nur so lange, wie nötig. Sie ist also keine Helikoptermama ;-)

Mir scheint, dass wir in unserer leistungsorientierten Gesellschaft den Blick nur noch auf das Ziel legen und den Weg dahin zu vergessen scheinen. Dabei ist der Weg die einzige Möglichkeit überhaupt an ein Ziel zu gelangen!

Dabei geben wir Erwachsene viel zu oft nicht nur das Ziel vor, sondern auch den Weg dahin!

Die ersten Lebensjahre eines Menschen prägen, wie wir an das Leben heran gehen. Immer wieder stelle ich fest, dass Eltern in ihrer vermeintlichen Fürsorge Kinder von ganz vielem abhalten. Wo können Kinder noch frei und ohne Aufsicht spielen und sich außerhalb des Einflusses von Erwachsenen aufhalten. Das findet heute kaum noch statt. Kinder werden bis zum Umfallen gefördert mit allen möglichen Kursen und Unterrichten, lange bevor sie zur Schule gehen.... das freie Spiel - ohne irgend ein Hilfsmittel, eine App o.ä. - und vor allem - ohne jede Absicht gibt es nicht mehr.
Aus dem Bedürfnis der guten Vor- und Fürsorge heraus werden Kinder schon therapiert, bevor sie überhaupt eine Chance hatten, etwas selbst zu tun. Die Meßlatte wird immer früher immer höher gelegt...d.h. alleine kann ein Kind das kaum noch schaffen. Deswegen wird ja therapiert und gefördert.
Psychologisch betrachtet, erlebt ein Kind also von Geburt an sein Unvermögen ohne Ausweg! Bevor es überhaupt selbst die Erfahrung macht, etwas nicht zu schaffen (und ob und wofür es das überhaupt schaffen will), wird es schon behandelt.

In den Schwimmkursen erlebe ich den Bruch besonders krass: heutzutage kann eine erschreckende Zahl von Kindern nicht mehr schwimmen, wenn sie eingeschult werden. Gleichzeitig hat ein hoher Prozentsatz dieser Kinder bereits Babyschwimmkurse und Kleinkindschwimmkurse besucht.
Warum können also so wenige Kinder schwimmen?

Mein Erklärungsansatz und Erfahrung ist hier sehr eindeutig: weil sie es nie erfahren haben!
In den meisten Babyschwimmkursen werden Kinder nur besungen und mit dieser Gruppensingerei entertaint. Bisschen Wassergießen, bunte Bälle und gut ist. Das Tauchen wird mehr oder weniger gut hinter sich gebracht - auch abgehakt.
Als nächstes Highlight wird ihm ein Schwimmflügel umgebunden, damit es sich nun "frei" bewegen kann. Frei???
Wo liegt in einem solchen Kurs ein Sinn? Was kann ein Kind hier wirklich erfahren? In meiner langjährigen Erfahrung habe ich noch kein einziges Kind erlebt, das aus einem solchen Kursprogramm zu unserem Konzept gewechselt hat, das irgend eine eigene Kompetenz erwerben durfte. Die Kinder können in ihren Schwimmflügeln durchs Wasser paddeln. Es fehlt ihnen jedes Bewußtsein darüber, dass sie ohne das Auftriebsmittel untergehen wie ein Stein. Ist das eine förderungswürdige Erfahrung? Ist das "kindgerecht"?

Dabei bietet das Wasser einen so immens vielfältigen Erlebnisraum mit so vielen Möglichkeiten und Herausforderungen, an denen sich das Kind eigenständig entwickeln und wachsen kann. Selbst-bewusst werden kann. Kompetent!

Statt dessen wird das Kind entmündigt, klein gehalten, bespielt und bespaßt und alles, aber wirklich alles - jeder Schritt, jedes Fingerkrümmen wird ihm dabei vorgegeben oder abgenommen. Es wird von A nach B getragen, gequatscht, geschoben und gehoben.

Ab dem Augenblick, wo das Kind zur Schule kommt, beginnt der "Ernst des Lebens",  Denn nun wird erwartet, dass das Kind funktioniert. Leider steht es nun aber am Beckenrand und kann nicht schwimmen. (Dabei werden unsagbar viele Kurse angeboten, die Kinderschwimmkurse ab einem immer früheren Einstiegsalter anbieten....). Mit Messer und Gabel essen, eine Schleife binden, aus einer Flasche eingiessen...die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Alles Fehlanzeige.
Auf einmal soll das Kind, das bis hierin nur verwaltet wurde, selbst leisten. Am besten alles auf Knopfdruck.
Aber wo und wann war die Zeit, in der das Kind selbst herausfinden durfte, experimentieren durfte, unbeaufsichtigt - ohne "gute" Ratschläge der Erwachsenen - selbst entscheiden durfte, WAS und vor allem WANN es etwas interessant findet, herausfinden will?

Ganz offen und salopp gesagt: erst halten wir sie für blöd und behandeln sie blöd und dann wundern wir uns, wenn sie blöd werden????

Wann steigen wir aus?

Nachdenkliche Grüße
Deva Doege


Donnerstag, 18. Februar 2016

Meine Hebamme sagt.....

Magda ist 34 und erwartet in den nächsten Tagen ihr 2. Kind. Bislang war sie ganz zuversichtlich für die Geburt und freute sich, dass bald das Geschwister für ihre große Tochter auf die Welt kommen würde.
Der letzte Ultraschall beim Frauenarzt ergab ein zu erwartendes Geburtsgewicht von 3.800 Gramm; auch beim Vorsorgetermin der Hebamme meinte Diese, dass das Kind mit Sicherheit früher kommt....
Magda befürchtet aufgrund des Geburtsgewichts nun eine schwere Geburt; die Prognose der Hebamme setzt sie zeitlich unter Druck. Was? Das Baby kommt früher?....

Wieso tun diese Berufshelfer derartiges? Sind sie sich dessen nicht bewusst, wie sehr sie die schwangere Frau verunsichern? Kein Mensch kann das Geburtsgewicht wirklich verlässlich "messen". Oft genug kommen die als so groß oder schwer prognostizierten Babies mit deutlich anderen Werten zur Welt.
Um eine medizinisch sinnvolle Information zu geben, reicht es aus, den Entwicklungsfortschritt festzustellen und der werdenden Mutter Zuversicht zu vermitteln, dass sich ihr Kind prächtig entwickelt hat. Ohne Zahlenroulette zu spielen.

Auch weiß keine Hebamme der Welt, wann ein Kind tatsächlich auf die Welt kommt. Ganz egal welche Anzeichen (aus ihrer Sicht) für eine baldige Geburt sprechen mögen - wann es tatsächlich soweit ist, weiß kein Mensch.

Solche "Diagnosen" und Prognosen sind nicht hilfreich. Medizinisch betrachtet, haben sie keinerlei Aussagekraft!

Fühlen sich diese Berufshelfer "kompetenter" oder "mächtiger" mit diesem Tun? Glauben Sie, der Frau damit zu helfen?

Nun, ich glaube, sie helfen NICHT. Denn viel mehr geht es darum, dass die Frau sich in ihrer Mitte gestärkt fühlen kann. Und nicht von außen sozusagen mit Informationen von sich weg geführt wird, die ihr im Grunde nicht helfen,sondern Unsicherheiten schüren.

An dieser Stelle möchte ich dennoch eine Lanze für die Hebamme brechen. Denn sie ist es, die einer Frau in Schwangerschaft und Geburt treu zur Seite steht und sie optimal unterstützt und die meisten Hebammen leisten einen wertvollen Beitrag in der Unterstützung der sich ihr anvertrauenden Schwangeren. In meiner Sprechstunde ermuntere ich Frauen, sich insbesondere in der Vorsorge viel mehr mit einer Hebamme zu beraten. Schwangerenvorsorge ist eine Hebammenleistung!

Doch egal, ob nun Geburtshelfer,  Geburtsvorbereiterin, Heilpraktiker/In oder Doula - JedeR, der oder die mit einer werdenden Mutter arbeitet, muss sich klar werden, wie wichtig die Achtsamkeit im Umgang mit dem besonderen Zustand der Schwangerschaft ist. Abgrenzungen lösen sich auf und Schwangere sind empfänglich für allerlei Sinniges und Unsinniges. Das kann auch schnell verunsichern.

Eine werdende Mutter sollte sich ihrer großen Empfindsamkeit und Empfänglichkeit bewusst werden und diesen Raum schützen lernen. D.h. auch sich vor allem abzugrenzen, was sie nicht unterstützt, sondern sie im Gegenteil schwächt. Achtsamkeit für sich im Alltag entwickeln.


Dienstag, 23. September 2014

AquaSanum Blog: Wie Kinder heute wachsen.....

AquaSanum Blog: Wie Kinder heute wachsen.....: Der von mir sehr geschätzte Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther hat ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel "Wie Kinder heute wach...

Wie Kinder heute wachsen.....

Der von mir sehr geschätzte Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther hat ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel "Wie Kinder heute wachsen".

Kurz zusammen gefasst, handelt das Buch davon, dass unsere Kinder heutzutage viel zu behütet und durchorganisiert aufwachsen. Vorbei die Zeiten, wo man ohne Aufsicht von Mama und Papa Bäume erklettert, Klingelstreiche macht und aus Nachbars Garten Äpfel ergaunert.....unsere (Um)Welt wird immer verdichteter, unzulänglicher und unzugänglicher für Kinder. Eltern trauen sich nicht, ihre Kinder das tun zu lassen, was sie selbst noch tun durften....Kinder brauchen die Erfahrung Natur!

...Kinder brauchen mehr eigene Räume. Wo nicht für sie gedacht und vorgegeben wird. Wo sie ihre eigenen Ideen entwickeln und so ihre eigene Kreativität entfalten. Das entspricht auch der Erfahrung und pädagogischen Herangehensweise von Dr. Maria Montessori.... - also nix Neues - eigentlich.

Wir müssen nur diese Räume schaffen und zulassen können für unsere Kinder.

Nun steht unser Swimmingpool nicht im Wald auf einer Lichtung.... - aber genau das versuchen wir immer wieder im Rahmen unserer Kurse mit Kindern umzusetzen - eine vorbereitete Umgebung zu schaffen, aus der das Kind heraus entwickeln darf, selbst herausfinden darf, selbst machen darf.

Gerade im Bereich unseres Eltern-Kind-Schwimmens 1 und 2 erleben wir immer wieder die Frage von Eltern, "was sollen wir nun machen", "wann machen wir was neues". Dahinter steckt vermutlich das Bedürfnis, das eigene Kind zu fördern und weiter zu führen. Es ist dann immer wieder die Aufgabe von uns Kursbegleitern, auf die kindlichen Entwicklungsräume aufmerksam zu  machen.
Denn Kinder wollen nicht jede Woche was neues machen oder berieselt werden. Sie wollen und müssen sich an dem Vertrauten orientieren und stabilisieren, um sich dann in ihrem Tempo und gemäss ihres Bauplans auf den Weg zur nächsten Herausforderung zu machen.

Oder Kinder, die scheinbar einen "Stillstand" in ihrer Wasserentwicklung haben. Oft erlebe ich, dass ein solches Kind sich aus meiner Perspektive gerade auf den Weg macht für einen nächsten großen Entwicklungsschritt. Dann ist es meine Aufgabe, Vertrauen zu wecken und aus dieser Erfahrung zu berichten, um den Eltern Mut zu machen, ihren Kindern mehr Raum zu lassen.

Ein am Kind und seinen Bedürfnissen orientiertes Kursprogramm - unabhängig ob im Wasser oder an Land - kann niemals auf Entertainment ausgelegt sein. Welche Erfahrung vermitteln wir schon unseren allerkleinsten Babies mit wenigen Monaten, wenn sie durch Kurse nur so durchgeschleust und berieselt werden? Das ist m.E. der Kreativitätskiller schlechthin.

Allen Neugierigen lege ich das Buch von Dr. Hüther ans Herz. Ich habe es selbst noch nicht gelesen, bin mir aber sicher, auch dieses Mal nicht enttäuscht zu werden und meine A-Ha Erlebnisse zu bekommen.

In diesem Sinne, fröhliche Grüße
Deva Doege

Hier der Link zum Artikel:

http://www.n-tv.de/leute/buecher/Wie-Kinder-heute-wachsen-article13610371.html


Mittwoch, 23. Juli 2014

Bronze für die Delphine!

Mit großer Freude und entsprechend großem Stolz gratuliere ich unseren Donnerstag-Delphinen Anthea, Lena, Niklas, Ferdinand, Pauline, Freda und Marie zum bestandenen Jugendschwimmabzeichen Bronze.

Ein großer Prozentsatz der deutschen Kinder kann in der 4. Grundschulklasse noch nicht schwimmen. Dem gegenüber steht hier eine Gruppe von Kindern, die im Alter von 5-7 Jahren bereits die Leistung eines Abzeichens geschafft hat, das

- 200 m Schwimmen in max. 15 Minuten,
- einen Sprung aus 1 Meter Höhe,
- eine Tauchtiefe von 2 Meter
- Kenntnis der Baderegeln

voraussetzt.

Ich persönlich finde Abzeichen nicht wichtig. Für unsere Schwimmkinder sind diese Abzeichen jedoch geordnete Lernetappen, die sie sich selbst definieren und mit großem Einsatz, Engagement und einer unglaublich hohen Disziplinbereitschaft erarbeiten. Wir Kursleiter stehen ihnen dabei als Lernbegleiter zur Seite und geben lediglich die Unterstützung, die ein Kind dann auch tatsächlich braucht ohne ihm in sein eigenes Wirken zu sehr einzugreifen. Es versteht sich von selbst, daß jeder Meter auch tatsächlich geschwommen und jede Disziplin erbracht wird. Wenn schon, dann richtig! 

Die meisten Kinder kenne ich - größtenteils - seit dem Babyschwimmen, d.h. ich habe nun schon jahrelang ihre Entwicklung mit begleiten dürfen. Aber auch die Kinder, die erst später dazu gekommen sind, haben sich mit derselben Leidenschaft auf den Weg gemacht und stecken sich ihre Lernziele selbst. Die Kinder haben ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen. Allen gemein ist, daß jedes Kind ausnahmslos an seinen Schwächen aus eigenem Antrieb unermüdlich arbeitet, ausprobiert, experimentiert....bis es seinen persönlichen Erfolg erlebt.

Wie das funktioniert?

Maria Montessori hat es so formuliert:

"Hilf mir es selbst zu tun - zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich! Ich kann und will es alleine tun.
Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit. Weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir auch Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen."

Unsere Arbeit mit Kindern ist nach den Erkenntnissen von Maria Montessori ausgelegt. Und immer wieder erlebe ich, wie einfach und simpel das funktioniert. Wenn wir Erwachsene es schaffen, uns mit unserem Wollen zurück zu halten, dem Kind Respekt und Vertrauen entgegen bringen und ihm eine Umgebung bereiten, die es einlädt, in seinem Tempo voran zu gehen und zu experimentieren, wird sich das Kind vermutlich schneller als man denkt, auf den Weg machen......(sieht man ja hier: Bronze in dem Alter!)

An dieser Stelle danke ich auch den Eltern, die mir und  uns soviel Vertrauen entgegen bringen und diesen Weg mit uns gehen! Es ist eine tief beglückende Erfahrung, Kinder über eine so lange Zeit kontinuierlich zu begleiten...in diesem Sinn freue ich mich schon jetzt auf das weitere Schwimmen mit meinen bronzenen Delphinen nach den Ferien.

Bronzene Grüße

Deva Doege

P.S. Übrigens können wir nicht nur "Bronze". Daneben haben wir Rückenschwimmen gelernt, Anfangskraulen, beherrschen "Toten Mann"/"Tote Frau", schnorcheln u.v.m.




Dienstag, 20. Mai 2014

Selbstrettungstrainings für Babies ???

Immer wieder findet sich allerlei Sinniges oder Unsinniges zum Thema Baby+Wasser. So gibt es einen aus USA kommenden Trend, indem einem 6 Monate altem Säugling das Schweben in der Rückenlage antrainiert wird. Hierfür wird das Kind meist über einen Zeitraum von 4-6 Wochen täglich für 10 Minuten mit einem ihm wildfremden Schwimmtrainer ins Wasser gegeben (die Eltern bleiben draussen und sind nicht bei ihrem Kind). Das Kind wird innerhalb seiner Trainingseinheit immer wieder in die Bauchlage gebracht und durch bestimmte Drehbewegungen vom Trainer in die lebensrettende Rückenlage.

Die Idee dahinter ist, das Kind vor dem Ertrinken zu retten, indem man ihm vermittelt, wie es sich selbst helfen und in die Rückenlage bringen kann, bis Rettung naht.

Auf youtube und ähnlichen Plattformen kann man Dutzende von Filmbeiträgen  hierüber sehen. Schaut man sich mehrere dieser Filme an wird man natürlich Kinder so um 1 Jahr herum sehen, die das ganz toll machen und wirklich gelernt haben, wie sie sich in die Rückenlage bringen und bei den größeren Babies ab ca. 1 Jahr auch, wie sie den Beckenrand erreichen, indem sie unter Wasser hinschwimmen.
Allerdings findet man auch die Filme, die sehr deutlich zeigen, wie es den meisten Babies mit diesem sehr rigiden Training tatsächlich geht - sie schreien. Und das oft herzzerreissend. Das ändert aber nichts daran, dass der Trainer sie noch während des Schreiens zurück in die Bauchlage dreht und die Trainingseinheit rigoros fortgesetzt wird.

Ich weiss ja nicht....aber wenn Mitschüler einen Kameraden mit ihrem Handy filmen, während der geärgert oder sogar gequält wird, nennt man das "happy slapping" - nichts anderes ist das, was uns diese Filme über diese Babies zeigen.

Wo bleibt die Würde für die Kinder?

Brauchen wir wirklich einen Crashkurs für unsere wenige Monate alte Säuglinge, um sie vor dem Ertrinken zu sichern? Wie zum Beispiel soll denn ein 6 Monate alter Säugling alleine zu einem Pool, See oder Meer gelangen??

Rechtfertigt der Zweck wirklich alle Mittel?

Nein - ich glaube nicht! Ich bin nun schon so viele Jahre mit Babies im Wasser und begleite sie und ihre Eltern wie sie voller Freude Vertrauen und Sicherheit im Wasser erlernen können. Auch wir vermitteln ihnen (altersentsprechend), dass und wie man sich an einem Beckenrand sichern kann. Aber das geschieht im Einklang mit der kindlichen Neugier und nicht mit Zwang und Gewalt. Im Rahmen des Babyschwimmens das Tauchen zu erlernen - und zwar geordnet und im Einvernehmen mit dem Kind - ist aus erwiesenen Erkenntnissen der beste Schutz vor dem Ertrinken: ein Kind, das plötzlich in einen Pool stürzt, ertrinkt, weil es in einen Schock gerät. Ein Kind, das die Taucherfahrung gelernt hat, mag erschrecken, gerät aber nicht in Schock.....auch die Rückenlage erlernen manche Babies wie nebenbei beim Babyschwimmen - aber immer aus der sicheren und liebevollen Haltung und Zuwendung ihrer Eltern!

Nicht selten schwimmen "unsere" Babies im Alter von 9-10 Monaten unter Wasser schon eigenständig eine kleine Strecke - WEIL SIE DAS WOLLEN. Hierfür mussten sie nicht trainiert werden oder gar von fremden Händen in unangenehme Lagen gebracht werden!

Ich will die Gefahr des Ertrinkens nicht klein reden, auch nicht den betroffenen Eltern solcher Kinder zu nahe treten, aber ich möchte hier einstehen für die Säuglinge, die keine Wahl haben und solchen - aus meiner Sicht traumatisierenden Methoden - ausgesetzt sind.
Durch meine therapeutischen Ausbildungen und Erfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Babies und Kindern dreht sich mir der Magen (und mein Herz) um bei der Vorstellung, was manchem Kind durch solche Praktiken angetan wird....

Wenn man sich mal mit den Hintergründen des kindlichen Ertrinkens näher beschäftigt, wird man übrigens u.a. auch feststellen, dass manches Kind ganz tragisch in einer Pfütze (!) oder in einem babypooltiefen (30 cm) Gewässer ertrunken ist - diesen Kindern hätte das Training nicht geholfen zu überleben.

Liebe Eltern, bitte vertraut auf euer gutes Bauchgefühl (und mißtraut allem, was ein schlechtes Bauchgefühl macht!), ob Ihr Eure Kinder solchen "Trainings" aussetzen wollt.

Ich jedenfalls glaube nicht, dass wir unsere Kinder durch solche Praktiken "schützen", aber ich glaube sehr wohl, dass unsere Kinder unsere Zuwendung und unseren Schutz verdient haben, sie so lange zu hüten und liebevoll begleiten, wie sie dies brauchen!

Schwimmfreundliche Grüße
Deva Doege